2000er

#137: Rückfallprognose per Software

In Broward County versuchte eine 18-Jährige, ein Kinderfahrrad und einen Roller zu stehlen. Ein 41-Jähriger, der bereits wegen bewaffneten Raubs im Gefängnis saß, stiehlt Werkzeug im Wert von ähnlich viel Geld. Für beide wird durch die Software COMPAS ein Score berechnet, der das individuelle Rückfallrisiko angeben soll. Die junge Frau erhält eine 8, der Mann eine 3.

Zwei Jahre später wurde die junge Frau nicht erneut angeklagt, der Mann saß wegen eines Einbruchs acht Jahre im Gefängnis.

In einer großen Recherche von ProPublica wird COMPAS im Jahr 2016 vorgeworfen, rassistische Vorurteile zu reproduzieren und nicht alle Menschen gleich fair zu behandeln. In dieser Folge schauen wir uns das System und die Vorwürfe genauer an. Dabei stellt sich die Frage, was Fairness überhaupt ist und wie fair ein Algorithmus sein kann, dessen Rechenweg ein Geschäftsgeheimnis ist.

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Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com

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#135: ShotSpotter

Am 31. Mai 2020 wird um 23:46 Uhr an einer Straßenkreuzung in Chicago ein Schuss abgefeuert. Ein akustisches Überwachungssystem namens „ShotSpotter“ stuft den Knall zunächst mit einer Sicherheit von 98 Prozent als Feuerwerk ein. 44 Sekunden später stuft ein bis heute anonymer Mitarbeiter das Ereignis als Schuss ein. Ein Mann namens Michael Williams saß daraufhin elf Monate wegen Mordes in Untersuchungshaft, bis die Staatsanwaltschaft ihre eigenen Beweise zurückzog. Im März 2026 zahlt ihm die Stadt Chicago 500.000 Dollar Schadensersatz.

In dieser Folge wird erklärt, wie ShotSpotter Schüsse per Multilateration auf wenige Meter genau orten soll. Zudem wird erläutert, warum am Ende der Algorithmus, der Mitarbeiter und die Staatsanwaltschaft drei verschiedene Geschichten über denselben Alarm erzählen und weshalb die vielzitierte Manipulationsschlagzeile von damals so nicht stimmt. Es geht um Fehlalarme, Automation Bias und die Frage, was ein akustisches Beweismittel vor Gericht wirklich wert ist.

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#126: Geisterlehrer

Die meisten Bundesländer verwalten die geplanten Stellen für Lehrkräfte als Pools, aus denen die passenden Personen ausgewählt werden. Es gibt also keine direkte Zuordnung von Person A zu Stelle B. Die Gründe dafür liegen in der hohen Dynamik. Es gibt täglich Änderungen durch Krankheitsausfälle, Elternzeit, Mutterschutz, Teilzeit und ähnliche Faktoren.

Die im Hintergrund laufende Software heißt L-DIPSY und führt Buch über die aktuell offenen Stellen. Dabei wird jedoch nur die jeweilige Änderung betrachtet. Eine Inventur der Datenbestände wurde zwanzig Jahre lang nicht durchgeführt.

Das System L-DIPSY wurde 2005 eingeführt, wobei die bestehenden Daten vom Vorgängersystem PLUS übernommen wurden. Vermutlich kam es dabei zu Fehlern, die niemandem aufgefallen sind. Im Laufe der Jahre haben sich diese Fehler weitervererbt und durch verschiedene Anpassungen sind auch neue Fehler entstanden.

Eine exakte Rekonstruktion war nicht mehr möglich. Sicher ist jedoch, dass seit 2005 Jahr für Jahr eingeplante Stellen aufgrund dieser Fehler nicht besetzt wurden. Die genaue Anzahl schwankte im Laufe der Zeit. Der Höchststand betrug über 2.800 sogenannte Geisterstellen.

Diese Geschichte verdeutlicht die Gefahren von Legacy-Software, Komplexität sowie fehlender Dokumentation und Verantwortung.

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#125: Angriff der Ameisen (Analoge Anomalien #7)

Die Rasberry Crazy Ants sind eine invasive Ameisenart, die in Texas Millionenschäden verursacht, das Ökosystem durcheinanderbringt und sogar die NASA in Bedrängnis gebracht hat.

In dieser Folge geht es um Tom Rasberry, einen texanischen Kammerjäger, der jahrelang allein gegen eine Invasion gekämpft hat, die sonst niemand ernst genommen hat. Natürlich geht es auch um die nach ihm benannten Rasberry Crazy Ants, die viele interessante Eigenschaften mitbringen. So fühlen sich die Ameisen beispielsweise besonders zu Elektronik hingezogen. So krabbeln sie in Klimaanlagen, Computer oder Industrieanlagen und verursachen Kurzschlüsse. Das klingt bizarr, ist aber ein zunehmendes Problem.

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#124: Computer auf vier Rädern

Die fortschreitende Digitalisierung ist schon lange im Auto angekommen. Und das hat Automobilhersteller zu Softwareunternehmen gemacht – ob sie es wollten oder nicht. Ohne smarte Funktionen, Onlineverbindung und regelmäßige Softwareupdates geht heute nichts mehr.

Doch neben den Vorteilen bringen diese Entwicklungen auch Risiken und Angriffsvektoren mit sich. Diese Folge bespricht zwei Fälle, die im Abstand von 10 Jahren bei Fahrzeugen der Marke Jeep aufgetreten sind. Einmal handelte es sich um Sicherheitsforscher, die von außen die Kontrolle über Fahrzeuge übernehmen konnten. Einmal sorgte ein fehlerhaftes Firmware Update dafür, dass zahlreiche Fahrzeuge den Dienst verweigerten.

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Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#122: Captain Crunch

John Draper wurde als Captain Crunch weit über die Hackerszene hinaus bekannt. Eine Plastikpfeife aus einer Cornflakespackung soll ihm die Macht gegeben haben, das amerikanische Telefonnetz auszutricksen. Kostenlose Ferngespräche. Ein System, das eigentlich unantastbar schien. Und irgendwo in dieser Geschichte tauchen zwei junge Männer auf: Steve Jobs und Steve Wozniak.

Doch um der Geschichte gerecht zu werden, muss man zwischen der Legende Captain Crunch und der realen Person John Draper unterscheiden. Der Mythos ist schillernd. Der Mensch dahinter deutlich komplizierter.

Diese Episode führt euch in die Phreaker-Szene der 1970er Jahre. Und sie erzählt beide Geschichten. Die von John Draper. Und die von Captain Crunch.

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#120: Wie funktioniert eigentlich Dobble? (feat. Eigenraum)

Wenn man zum ersten Mal Dobble spielt, wirkt es fast wie Magie. Das Spiel besteht aus 55 runden Karten, auf denen jeweils acht Symbole abgebildet sind. Zwei beliebige Karten haben jeweils genau ein gemeinsames Symbol. Nicht mehr und nicht weniger.

Dobble basiert auf einem mathematischen Prinzip, dessen Wurzeln ins 19. Jahrhundert zurückreichen. In dieser Folge spreche ich mit Thomas Kahle vom Eigenraum-Podcast über Dobble. Thomas ist Mathematiker und erklärt die Magie hinter dem Spiel. Oder, wie er es bezeichnet: die Mathematik.

Außerdem erzählen wir die Entstehungsgeschichte von Dobble.

Diese Folge ist ein Crossover von Eigenraum und den Digitalen Anomalien.

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#119: Google Safe Browsing

Google durchsucht täglich Millionen von Websites als Basis für die eigene Websuche – und sicher auch als Futter für die eigenen KI-Modelle. Bereits seit 2005 nutzt das Unternehmen diese Daten, um sie auf potenzielle Schadsoftware zu untersuchen. Werden potenziell gefährliche Seiten gefunden, landen die entsprechenden URLs auf einer Sperrliste. Diese Liste wird aktuell von rund fünf Milliarden Geräten genutzt, um Nutzer beim Besuch einer gelisteten Seite vor einer potenziellen Gefahr zu warnen.

Diese Warnungen sehen bedrohlich aus – vielleicht habt ihr so etwas schon einmal gesehen. Google Safe Browsing ist heute ein globaler Sicherheitsstandard, der von so ziemlich allen Browsern und weiterer Software genutzt wird. In den über zwanzig Jahren, in denen es Google Safe Browsing nun gibt, hat der Dienst vermutlich sehr viele Nutzer davor bewahrt, Schadsoftware zu installieren.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Bei der Google Safe Browsing API kam es immer wieder zu Problemen, die zu Fehlalarmen führten. So wurde beispielsweise im Jahr 2009 ein globaler Fehler festgestellt, durch den plötzlich alle URLs als potenziell gefährlich eingestuft wurden. Für Unternehmen kann das ein großes Problem sein, da ein solcher Fehler sehr schnell zu einem Vertrauensverlust führen kann.

In dieser Folge unterhalte ich mich mit Ferdi und Tobi vom Karlsruher Unternehmen server.camp. Im Oktober 2025 wurden die Webseiten von server.camp plötzlich als potenziell gefährlich eingestuft. Das Timing war denkbar ungünstig, da das Unternehmen einen Tag zuvor eine Marketingkampagne gestartet hatte. Die Kennzeichnung sorgte nicht nur für Fehlermeldungen im Browser sondern schränkte auch den LinkedIn Account des Unternehmens ein, da LinkedIn ebenfalls die Google Safe Browsing API verwendet, um auf der Plattform geteilte Links zu überprüfen.

Wir sprechen über ihre Erfahrungen und befassen uns dabei auch mit dem Thema Digitale Souveränität.

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#112: Legendäre Laptops (feat. ThinkPad-Museum)

In dieser Folge unterhalte ich mich mit Christian Stankowic über sein außergewöhnliches Hobby. Christian sammelt nämlich Laptops. Und nicht irgendwelche, sondern ausschließlich Geräte vom Typ ThinkPad.

Diese Geräte wurden 1992 von IBM entwickelt und haben den Laptop-Markt maßgeblich beeinflusst. Mittlerweile gehört die Marke dem chinesischen PC-Hersteller Lenovo.

In dieser Folge begeben wir uns auf eine Zeitreise zu den Ursprüngen der ersten ThinkPads. Christian hat viele Anekdoten und Fakten dazu mitgebracht.

Diese Folge ist Teil eines zweiteiligen Specials. Denn Christian hat ebenfalls einen Podcast. Im „ThinkPad-Museum“-Podcast spricht er monatlich über – na klar – ThinkPads. In der aktuellen Folge bin ich bei ihm zu Gast und erzähle eine Geschichte über fehlerhafte Akkus und die Probleme, die daraus entstehen können.

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#107: Die berühmteste Büroklammer der Welt

In den frühen 1990er Jahren versuchte Microsoft, seine Software einsteigerfreundlicher zu gestalten. Ein Ergebnis war Microsoft Bob, das eine radikal vereinfachte Oberfläche für Windows mitbrachte. Doch dieser Ansatz scheiterte am Markt. Eine der damals entwickelten Technologien war Microsoft Agents, ein Framework für persönliche Assistenten, die stets mit Rat und Tat zur Seite stehen sollten.

Die Idee war gut, doch die Umsetzung genügte nicht den Bedürfnissen der Nutzer. Ihre Premiere feierten die Assistenten im Jahr 1996 mit der Veröffentlichung von Office 97, wo es zehn verschiedene Assistenten zur Auswahl gab. Am prominentesten war allerdings eine kleine Büroklammer namens Clippy, da es sich dabei um die Standardeinstellung handelte.

In Deutschland wurde Clippy als „Karl Klammer” bekannt. Und Clippy war vor allem eines: nervig. Der Assistent war nicht personalisierbar und kam immer und immer wieder mit den gleichen Vorschlägen um die Ecke. Nach wenigen Jahren verabschiedete sich Microsoft wieder von der Idee der Assistenten – und damit auch von Clippy.

Heute ist Clippy ein Internetmeme und taucht immer wieder irgendwo auf.

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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