2010er

#131: Lügenpresse!

Die Idee hinter Juicero war die Kombination einer Hochleistungspresse mit einem Druck von vier Tonnen. Damit sollte Saft aus fertig gewaschenem und geschnittenem Obst und Gemüse, das in Einzelportionsbeuteln verkauft wurde, gepresst werden.

Es handelte sich um ein geschlossenes System, wie man es von Tintenstrahldruckern oder Kaffee-Kapselmaschinen kennt.

In einem Artikel bei Bloomberg zeigten zwei Journalistinnen jedoch, dass man diese Päckchen auch ganz ohne Hochleistungspresse ausdrücken konnte. Und das sogar schneller als mit dem Gerät.

Dieser Artikel besiegelte das Ende von Juicero. Was bleibt, außer einer kuriosen Geschichte? Und was kann man aus diesem Fehlschlag lernen?

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com

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#129: Eine eiskalte Mission

Im Jahr 2014 sollten zwei Satelliten des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo ins All gebracht werden. Aufgrund eines Konstruktionsfehlers fror eine Treibstoffleitung der Fregat-Oberstufe ein. Dadurch wurden die Satelliten nicht wie geplant in einem kreisrunden Orbit in 23.222 km Höhe, sondern in einem stark elliptischen Orbit ausgesetzt.

Die Mission wurde nach dem Fehlstart jedoch nicht aufgegeben. Es gelang, die Orbits ein wenig zu korrigieren und die Satelliten schließlich doch noch, wenn auch eingeschränkt, zu nutzen.

Doch damit nicht genug. Forschende entwickelten ein neues Experiment, bei dem sie durch den elliptischen Orbit und die hochpräzisen Atomuhren an Bord die Effekte der Allgemeinen Relativitätstheorie von Einstein mit einer beispiellosen Genauigkeit nachweisen konnten.

So wurde die Mission trotz der Probleme am Ende doch ein Erfolg.

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#126: Geisterlehrer

Die meisten Bundesländer verwalten die geplanten Stellen für Lehrkräfte als Pools, aus denen die passenden Personen ausgewählt werden. Es gibt also keine direkte Zuordnung von Person A zu Stelle B. Die Gründe dafür liegen in der hohen Dynamik. Es gibt täglich Änderungen durch Krankheitsausfälle, Elternzeit, Mutterschutz, Teilzeit und ähnliche Faktoren.

Die im Hintergrund laufende Software heißt L-DIPSY und führt Buch über die aktuell offenen Stellen. Dabei wird jedoch nur die jeweilige Änderung betrachtet. Eine Inventur der Datenbestände wurde zwanzig Jahre lang nicht durchgeführt.

Das System L-DIPSY wurde 2005 eingeführt, wobei die bestehenden Daten vom Vorgängersystem PLUS übernommen wurden. Vermutlich kam es dabei zu Fehlern, die niemandem aufgefallen sind. Im Laufe der Jahre haben sich diese Fehler weitervererbt und durch verschiedene Anpassungen sind auch neue Fehler entstanden.

Eine exakte Rekonstruktion war nicht mehr möglich. Sicher ist jedoch, dass seit 2005 Jahr für Jahr eingeplante Stellen aufgrund dieser Fehler nicht besetzt wurden. Die genaue Anzahl schwankte im Laufe der Zeit. Der Höchststand betrug über 2.800 sogenannte Geisterstellen.

Diese Geschichte verdeutlicht die Gefahren von Legacy-Software, Komplexität sowie fehlender Dokumentation und Verantwortung.

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#125: Angriff der Ameisen (Analoge Anomalien #7)

Die Rasberry Crazy Ants sind eine invasive Ameisenart, die in Texas Millionenschäden verursacht, das Ökosystem durcheinanderbringt und sogar die NASA in Bedrängnis gebracht hat.

In dieser Folge geht es um Tom Rasberry, einen texanischen Kammerjäger, der jahrelang allein gegen eine Invasion gekämpft hat, die sonst niemand ernst genommen hat. Natürlich geht es auch um die nach ihm benannten Rasberry Crazy Ants, die viele interessante Eigenschaften mitbringen. So fühlen sich die Ameisen beispielsweise besonders zu Elektronik hingezogen. So krabbeln sie in Klimaanlagen, Computer oder Industrieanlagen und verursachen Kurzschlüsse. Das klingt bizarr, ist aber ein zunehmendes Problem.


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#124: Computer auf vier Rädern

Die fortschreitende Digitalisierung ist schon lange im Auto angekommen. Und das hat Automobilhersteller zu Softwareunternehmen gemacht – ob sie es wollten oder nicht. Ohne smarte Funktionen, Onlineverbindung und regelmäßige Softwareupdates geht heute nichts mehr.

Doch neben den Vorteilen bringen diese Entwicklungen auch Risiken und Angriffsvektoren mit sich. Diese Folge bespricht zwei Fälle, die im Abstand von 10 Jahren bei Fahrzeugen der Marke Jeep aufgetreten sind. Einmal handelte es sich um Sicherheitsforscher, die von außen die Kontrolle über Fahrzeuge übernehmen konnten. Einmal sorgte ein fehlerhaftes Firmware Update dafür, dass zahlreiche Fahrzeuge den Dienst verweigerten.


Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#122: Captain Crunch

John Draper wurde als Captain Crunch weit über die Hackerszene hinaus bekannt. Eine Plastikpfeife aus einer Cornflakespackung soll ihm die Macht gegeben haben, das amerikanische Telefonnetz auszutricksen. Kostenlose Ferngespräche. Ein System, das eigentlich unantastbar schien. Und irgendwo in dieser Geschichte tauchen zwei junge Männer auf: Steve Jobs und Steve Wozniak.

Doch um der Geschichte gerecht zu werden, muss man zwischen der Legende Captain Crunch und der realen Person John Draper unterscheiden. Der Mythos ist schillernd. Der Mensch dahinter deutlich komplizierter.

Diese Episode führt euch in die Phreaker-Szene der 1970er Jahre. Und sie erzählt beide Geschichten. Die von John Draper. Und die von Captain Crunch.

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#121: Der Wostotschny Zwischenfall

Mit dem Weltraumbahnhof Wostotschny wollte Russland seine Unabhängigkeit vom Kosmodrom Baikonur sichern. Dieses gehörte seit dem Ende der Sowjetunion nämlich zu Kasachstan.

Der Bau des neuen Kosmodroms Wostotschny war ein Großprojekt, das viele Herausforderungen und Probleme mit sich brachte. Es wurde jedoch, wenn auch mit Verzögerungen, im Jahr 2016 fertiggestellt.

Beim ersten Start traten im Vorfeld Probleme auf, die zu einer eintägigen Startverzögerung führten. Ansonsten verlief damals alles nach Plan.

Für den zweiten Start war geplant, einen russischen Wettersatelliten sowie 18 Cubesats von internationalen Kunden ins All zu bringen. Doch diese Mission endete mit einem Totalverlust. Die verwendete Sojus-Trägerrakete galt als extrem zuverlässig, und auch die eingesetzte Fregat-Oberstufe war eine bewährte Komponente.

Leider hatte man jedoch noch die Koordinaten von Baikonur statt die von Wostotschny in das Navigationssystem der Oberstufe einprogrammiert. Dies führte im Laufe der Mission zu einer fatalen Kurskorrektur, die im Desaster endete.

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Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#119: Google Safe Browsing

Google durchsucht täglich Millionen von Websites als Basis für die eigene Websuche – und sicher auch als Futter für die eigenen KI-Modelle. Bereits seit 2005 nutzt das Unternehmen diese Daten, um sie auf potenzielle Schadsoftware zu untersuchen. Werden potenziell gefährliche Seiten gefunden, landen die entsprechenden URLs auf einer Sperrliste. Diese Liste wird aktuell von rund fünf Milliarden Geräten genutzt, um Nutzer beim Besuch einer gelisteten Seite vor einer potenziellen Gefahr zu warnen.

Diese Warnungen sehen bedrohlich aus – vielleicht habt ihr so etwas schon einmal gesehen. Google Safe Browsing ist heute ein globaler Sicherheitsstandard, der von so ziemlich allen Browsern und weiterer Software genutzt wird. In den über zwanzig Jahren, in denen es Google Safe Browsing nun gibt, hat der Dienst vermutlich sehr viele Nutzer davor bewahrt, Schadsoftware zu installieren.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Bei der Google Safe Browsing API kam es immer wieder zu Problemen, die zu Fehlalarmen führten. So wurde beispielsweise im Jahr 2009 ein globaler Fehler festgestellt, durch den plötzlich alle URLs als potenziell gefährlich eingestuft wurden. Für Unternehmen kann das ein großes Problem sein, da ein solcher Fehler sehr schnell zu einem Vertrauensverlust führen kann.

In dieser Folge unterhalte ich mich mit Ferdi und Tobi vom Karlsruher Unternehmen server.camp. Im Oktober 2025 wurden die Webseiten von server.camp plötzlich als potenziell gefährlich eingestuft. Das Timing war denkbar ungünstig, da das Unternehmen einen Tag zuvor eine Marketingkampagne gestartet hatte. Die Kennzeichnung sorgte nicht nur für Fehlermeldungen im Browser sondern schränkte auch den LinkedIn Account des Unternehmens ein, da LinkedIn ebenfalls die Google Safe Browsing API verwendet, um auf der Plattform geteilte Links zu überprüfen.

Wir sprechen über ihre Erfahrungen und befassen uns dabei auch mit dem Thema Digitale Souveränität.

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#116: Coolest Cooler

Der Coolest Cooler war damals in aller Munde. Zum einen natürlich, weil die Erfindung auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter über 60.000 Menschen überzeugen und damit über 13 Millionen Dollar einsammeln konnte. Das Time Magazine wählte die Hightech-Kühlbox für seine Liste der besten Erfindungen des Jahres aus.

Doch nach der äußerst erfolgreichen Kampagne verlief die Produktion der Kühlboxen leider alles andere als gut. Zwar wurden einige tausend Coolest Cooler produziert und ausgeliefert, und die Kunden waren auch sehr zufrieden damit. Rund 20.000 Backer bekamen jedoch niemals ihr Produkt, als das Unternehmen im Jahr 2019 Insolvenz anmeldete.

Was ist damals passiert und was haben viele Start-ups aus der Geschichte der coolsten Kühlbox aller Zeiten gelernt?

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#114: Big Bay Bang

Das Big Bay Boom Feuerwerk am amerikanischen Unabhängigkeitstag ist jedes Jahr ein großes Spektakel, bei dem bis zu 70.000 Feuerwerkskörper in der Bucht von San Diego gezündet werden.

Im Jahr 2012 kam es jedoch zu einem Zwischenfall. Anstatt der knapp 18 Minuten langen, fein choreografierten Show wurden alle Feuerwerkskörper gleichzeitig gezündet. Das Publikum bekam somit eine wirklich außergewöhnliche Show geboten, die es so vermutlich noch nie gegeben hatte. Dank der hohen Sicherheitsauflagen vor Ort wurde niemand verletzt.

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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