#135: ShotSpotter
Am 31. Mai 2020 wird um 23:46 Uhr an einer Straßenkreuzung in Chicago ein Schuss abgefeuert. Ein akustisches Überwachungssystem namens „ShotSpotter“ stuft den Knall zunächst mit einer Sicherheit von 98 Prozent als Feuerwerk ein. 44 Sekunden später stuft ein bis heute anonymer Mitarbeiter das Ereignis als Schuss ein. Ein Mann namens Michael Williams saß daraufhin elf Monate wegen Mordes in Untersuchungshaft, bis die Staatsanwaltschaft ihre eigenen Beweise zurückzog. Im März 2026 zahlt ihm die Stadt Chicago 500.000 Dollar Schadensersatz.
In dieser Folge wird erklärt, wie ShotSpotter Schüsse per Multilateration auf wenige Meter genau orten soll. Zudem wird erläutert, warum am Ende der Algorithmus, der Mitarbeiter und die Staatsanwaltschaft drei verschiedene Geschichten über denselben Alarm erzählen und weshalb die vielzitierte Manipulationsschlagzeile von damals so nicht stimmt. Es geht um Fehlalarme, Automation Bias und die Frage, was ein akustisches Beweismittel vor Gericht wirklich wert ist.
Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com
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