#126: Geisterlehrer
Die meisten Bundesländer verwalten die geplanten Stellen für Lehrkräfte als Pools, aus denen die passenden Personen ausgewählt werden. Es gibt also keine direkte Zuordnung von Person A zu Stelle B. Die Gründe dafür liegen in der hohen Dynamik. Es gibt täglich Änderungen durch Krankheitsausfälle, Elternzeit, Mutterschutz, Teilzeit und ähnliche Faktoren.
Die im Hintergrund laufende Software heißt L-DIPSY und führt Buch über die aktuell offenen Stellen. Dabei wird jedoch nur die jeweilige Änderung betrachtet. Eine Inventur der Datenbestände wurde zwanzig Jahre lang nicht durchgeführt.
Das System L-DIPSY wurde 2005 eingeführt, wobei die bestehenden Daten vom Vorgängersystem PLUS übernommen wurden. Vermutlich kam es dabei zu Fehlern, die niemandem aufgefallen sind. Im Laufe der Jahre haben sich diese Fehler weitervererbt und durch verschiedene Anpassungen sind auch neue Fehler entstanden.
Eine exakte Rekonstruktion war nicht mehr möglich. Sicher ist jedoch, dass seit 2005 Jahr für Jahr eingeplante Stellen aufgrund dieser Fehler nicht besetzt wurden. Die genaue Anzahl schwankte im Laufe der Zeit. Der Höchststand betrug über 2.800 sogenannte Geisterstellen.
Diese Geschichte verdeutlicht die Gefahren von Legacy-Software, Komplexität sowie fehlender Dokumentation und Verantwortung.
Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com
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