2020er

#88: Ortung für alle

Apple stellte den AirTag 2021 vor. Das Gerät sieht aus wie eine etwas dicke Münze, hält mit einer Batterie etwa ein Jahr und hat weder GPS-Empfänger noch Mobilfunkmodem. Für die Ortung nutzt es stattdessen das Wo-ist-Netzwerk aus sämtlichen iPhones, iPads und Apple Watches weltweit.

Die meisten Menschen hängen AirTags an Schlüssel, Geldbörse oder Koffer. Diese Folge erklärt, wie das Netzwerk technisch funktioniert, und erzählt eine Reihe deutlich unkonventionellerer Anwendungsfälle, an die Apple bei der Vorstellung sicher nicht gedacht hat.

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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#86: Der Snackautomat, der zu neugierig war

Was hat Gesichtserkennungssoftware in einem Süßigkeitenautomaten zu suchen?Die Technologie war ein sogenannter demographischer oder optischer Sensor, mit dem Daten über die Kundschaft gesammelt werden sollten. Eine schöne Bezeichnung für eine Kamera.

Laut Hersteller soll damit erkannt werden, ob sich überhaupt Personen vor dem Automaten befinden. So ähnlich wie ein Bewegungsmelder. Und sicher kein Grund zur Aufregung. Aber die Technik ging noch weiter. So kann der Sensor auch Alter und Geschlecht schätzen.

Für Werbetreibende eine tolle Sache. Für den Kunden sieht es anders aus. Denn es fehlt der Hinweis, welche Kamera im Spiel ist und wie sie eingesetzt wird.

Der Hersteller versichert zwar, dass die Daten nur lokal verarbeitet und keine Bilder gespeichert werden. Dennoch sollte der zunehmende Einsatz von Tracking-Technologien genau beobachtet werden. Denn einmal erhobene Daten können leicht missbraucht werden.


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#85: CrowdStrike: Global Offensive

Bei der Software Falcon Sensor der Firma CrowdStrike handelt es sich um eine sogenannte Endpoint Security Software. Eine Art moderner Virenscanner für Unternehmen. Und in einem Update, das für diese Software ausgeliefert wurde, steckte ein Fehler, der zum sofortigen Absturz des gesamten Systems führte.

Durch die mangelhafte Qualitätssicherung bei CrowdStrike wurde dies leider nicht vorher bemerkt, so dass mindestens 8,5 Millionen PC’s von diesem Fehler betroffen waren.

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#84: Excel Fails

Drei Geschichten, in denen eine Tabellenkalkulation richtig teuer wurde. Das Formel-1-Team Williams verwaltete 20.000 Fahrzeugteile in einer einzigen Excel-Datei, bis die Komplexität nicht mehr beherrschbar war. Ein kanadischer Energieversorger verlor durch einen Copy-and-Paste-Fehler zehn Prozent seines Jahresgewinns.

Und mitten in der Finanzkrise 2008, kurz nach der Lehman-Pleite, landeten durch ein Missgeschick beim Formatieren 179 unerwünschte Posten auf einer Ankaufsliste. Der Schaden ließ sich nur noch vor Gericht abwenden. Allen drei Fällen ist eines gemeinsam: Excel war nicht der Fehler, sondern der Verstärker.


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#79: Die XZ-Backdoor

Im März 2024 stolperte ein einzelner Entwickler über eine Backdoor im Kompressionswerkzeug xz, die über Jahre hinweg vorbereitet worden war. Sie zielte auf SSH und hätte bei weiterer Verbreitung Zugriff auf unzählige Linux-Server ermöglicht. Dass sie rechtzeitig auffiel, war reiner Zufall.

Diese Folge erzählt die XZ-Backdoor als das, was sie ist: ein echter Internetkrimi über Linux, Open Source und die wertvollste Währung im Netz, nämlich Vertrauen. Und über die Frage, wie verwundbar eine Infrastruktur ist, die von wenigen unbezahlten Einzelpersonen gepflegt wird.


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#78: Ups, die Daten sind weg

Der Schock an den beiden Koblenzer Gymnasien war groß, als die Daten auf den Schul-iPads plötzlich verschwunden waren.

Die iPads der Schule wurden wie üblich zentral über ein MDM-System verwaltet. Dabei kam es vermutlich durch eine Fehlbedienung zu einem Problem. Dieses führte dazu, dass auf ca. 500 Geräten diverse Apps und die damit verbundenen Daten gelöscht wurden.

Fehler passieren. Leider gab es in diesem Fall keine Backups. Und die Gründe dafür sind nicht nachvollziehbar. Und es sieht ein bisschen so aus, als hätte man am falschen Ende gespart.

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#74: Smarte Implantate

Um blinden Menschen das Sehen wieder zu ermöglichen, entwickelte die Firma Second Sight eine Netzhautprothese. Allerdings war das Sehvermögen sehr rudimentär und auf Blinde mit einer bestimmten krankheitsbedingten Sehschädigung beschränkt.

Dennoch kam diese Entwicklung für manche Menschen einem Wunder gleich. Es gibt sensationelle Berichte von Trägerinnen und Trägern des „Argus 2“-Implantats.

Leider gibt es auch Schattenseiten. Zum einen in Form von Problemen, die mit der implantierten Technik aufgetreten sind. Zum anderen aber auch in der Firma Second Sight selbst.

Denn um das Jahr 2019 herum stellt sich heraus, dass das Geschäftsmodell nicht funktioniert. Die Produktion von „Argus 2“ wird zunächst eingestellt, um an einem Nachfolgeprodukt zu arbeiten. Dabei handelt es sich um ein Gehirnimplantat namens Orion, das ganz neue Möglichkeiten bieten soll.

Nur ein Jahr später gerät Second Sight in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Fast die gesamte Belegschaft wird entlassen. Die gesamte Labortechnik wird bei einer Online-Auktion verkauft.

Und die Patientinnen und Patienten? Die erfahren es nur aus zweiter Hand. Viele fühlen sich allein gelassen. Und es wird klar, dass es in Zukunft weder Ersatzteile noch sonstige Unterstützung geben wird.

Später wird Second Sight verkauft und nach öffentlichen Protesten lenkt der neue Besitzer zumindest teilweise ein. Noch vorhandene Bestände an „Argus 2“-Ersatzteilen werden bei Bedarf an Betroffene abgegeben. Doch dann ist Schluss.

Was bleibt, ist die Frage, wie eine Gesellschaft in Zukunft mit solchen Themen umgehen soll. Denn eines ist sicher: Es wird in Zukunft noch mehr von dieser Technik geben. Und es wäre gut, wenn man sich dann schon intensiv mit den Risiken auseinandergesetzt hätte.

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#72: No space left on device

Im August 2023 musste Toyota die Produktion in allen 14 japanischen Werken einstellen. Und das für zwei Tage. Ein zentrales System für die Teilebeschaffung war ausgefallen. Für die Just-in-Time-Produktion ist dies ein kritisches System, ohne das die Produktion nicht weiterlaufen kann.

Interessant war die Ursache des Ausfalls. Toyota schrieb in einer Pressemitteilung, dass bei planmäßigen Wartungsarbeiten an einer Datenbank eine Festplatte voll gelaufen sei und das System daraufhin ausgefallen sei. Natürlich gab es ein Backup, aber auch dieses fiel aufgrund des gleichen Fehlers aus.

Klingt komisch, ist aber anscheinend wirklich so passiert.

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#68: Alle (vier) Jahre wieder

Schaltjahre gibt es schon sehr lange. In der heute gebräuchlichen Form bereits seit dem 16. Jahrhundert. Dahinter steckt die Idee, unseren Kalender mit dem Umlauf der Erde um die Sonne zu synchronisieren. Denn die hat nicht genau 365 Tage. Ohne ein regelmäßiges Schaltjahr würde sich unser Kalender Jahr für Jahr ein wenig verschieben. Die Folge wäre zum Beispiel, dass sich der Frühlingsanfang langsam verschiebt.

Für Computer kann ein Schaltjahr eine Herausforderung sein. Denn der seltene 29. Februar und das dadurch auf 366 Tage verlängerte Jahr sind eine seltene Konstellation, die beim Entwickeln und Testen schnell übersehen werden kann.

Diese Episode erklärt, warum wir Schaltjahre haben und gibt einige Beispiele, in denen der 29. Februar einem System zum Verhängnis wurde.

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#67: Excel und die Gene

Excel kann die Art der eingegebenen Daten erkennen. Insbesondere bei Zeit- und Datumsangaben kann so eine einheitliche Formatierung gewährleistet werden.

Dies erspart in vielen Fällen Arbeit. Es handelt sich also um eine nützliche Funktion. Es gibt aber auch Situationen, in denen Excel sich irrt und Daten fälschlicherweise als Datum interpretiert. Wenn diese dann automatisch in ein einheitliches Format gebracht werden, werden die Daten verfälscht.

So wurden jahrelang wissenschaftliche Daten aus der Genforschung versehentlich verfälscht. Denn menschliche Gene haben eindeutige Namen, die zum Teil an Datumsangaben erinnern.

Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, hat die Wissenschaft schließlich beschlossen, das Namensschema für das menschliche Erbgut zu ändern und eine Reihe der betroffenen Bezeichnungen so anzupassen, dass sie nicht mehr als Datumsangaben interpretiert werden können.

Excel hat also gewissermaßen seine Spuren in der Benennung des menschlichen Erbguts hinterlassen.

Im Jahr 2023 geschah schließlich das, womit niemand mehr gerechnet hatte. Microsoft veröffentlichte eine neue Version von Excel, in der man die automatische Formatierung endlich global abschalten konnte.

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
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